Womit starten Sie, wenn Sie ein Projekt oder ein Vorhaben beginnen? Beginnen Sie mit den Schwierigkeiten, die Sie begleiten, oder mit den Herausforderungen, die auf Sie warten? Oder beginnen Sie mit dem Endzustand, den Sie erreichen wollen?
Wo möchten Sie hin?
Wir haben in der Schule und in unseren Aus- und Weiterbildungen immer wieder gelernt, zuerst eine Problemanalyse durchzuführen und herauszufinden, was nicht funktioniert. Dies mit der Idee, dass, wenn wir wissen, was nicht funktioniert, wir dies beheben können und es dann nicht mehr problematisch ist. Dieses Vorgehen hat jedoch die Nachteile, dass
wir uns zuerst mit etwas Negativem auseinandersetzen müssen. Dies macht meist keine Freude, und es macht es schwierig, Leute dafür zu begeistern.
wir nur in einer linearen Welt von Ursache und Wirkung, also in einem einfachen System, wie zum Beispiel bei einem Motor, wissen können, wie etwas zustande gekommen ist. In einer komplexen Welt mit subjektiven Sichtweisen, in der wir uns wechselseitig beeinflussen, ist dies nicht mehr möglich.
wir, auch wenn wir wissen (was wir meist gar nicht können), weshalb etwas nicht gut ist oder was nicht gut ist, wir noch lange nicht wissen, was wir tun können oder was wir wollen.
Eine andere Möglichkeit bietet sich darin, sich zuerst mal zu überlegen, wo Sie eigentlich hinwollen. Wie soll es genau aussehen, wenn Sie am Ziel sind? Was möchten Sie in Ihrer gewünschten Zukunft?Dies tun wir in vielen Lebensbereichen:
Kochen: Wenn wir zum Beispiel etwas kochen wollen, dann überlegen wir uns, wie es sein soll. Was wollen wir essen? Für wen wollen wir kochen? Welche Erfahrung möchten wir gerne machen?
Einkaufen: Wenn Sie dann einkaufen gehen, überlegen Sie sich, was Sie alles benötigen. Sie machen eine Einkaufsliste mit alldem, was Sie gerne wollen. Sie würden nie auf die Idee kommen, all das aufzuschreiben, was Sie nicht brauchen oder was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat. Mit dieser Liste des Gewünschten gehen Sie dann los und kaufen genau das (und vielleicht noch anderes) ein, was Sie benötigen, um ein leckeres Essen zu kochen.
Autofahren: Wenn Sie mit Ihrem Auto unterwegs sind, dann überlegen Sie sich, wo Sie hinwollen, und richten alles auf eine gute Fahrt aus. Sie stellen vielleicht Ihr Navigationsgerät ein und fahren los. Sie schauen vorwiegend voraus und reagieren auf den vor Ihnen fahrenden Verkehr. Sie würden nicht auf die Idee kommen, ständig in den Rückspiegel zu schauen, um vorwärtszukommen.
Sport: In den meisten Sportarten befassen Sie sich damit, was Sie wollen. Wenn Sie zum Beispiel sprinten, dann ist Ihr Blick auf das Ziel gerichtet, im Fussball achten Sie darauf, wie Sie mehr Tore schiessen können als Ihre Gegner*innen, im Kunstturnen oder beim Eislaufen haben Sie Ihre Kür vor Augen.
Ziele sind meist nicht motivierend
Auch im Geschäftlichen richten wir unseren Blick vermehrt auf unsere Ziele.
Im Rahmen des Management by Ob-jectives (MBO) definieren wir Unternehmensziele und brechen diese dann auf die einzelnen Stufen runter. Auch hier ist das Gewünschte in Form von Zielen, die vornehmlich SMART formuliert sein sollen, im Zentrum. Ziele sollen spezifisch (S), messbar (M), anspruchsvoll (A), realistisch (R) und terminiert (T) sein. Dies hat den Vorteil, dass die Ziele allen Mitarbeitenden klar sind und auch nachverfolgt werden können.
Allerdings sind Ziele so formuliert meist nicht sehr motivierend: «Wir reduzieren die Fehlerquote um 10% bis Ende Jahr», «Ich erreiche beim Produkt XY einen Deckungsbeitrag von 113% bis Ende Mai 2024» oder «Ich akquiriere fünf Kunden mehr bis zum 30. Juli 2024». SMART formulierte Ziele haben meist keine begeisternde und anziehende Wirkung, da sie vielfach als Mittel zu einem Zweck und nicht als Zweck selbst formuliert sind. Wofür möchten wir eine verringerte Fehlerquote? Was wird dann anders sein, als es heute ist? Wofür soll der Deckungsbeitrag erhöht werden? Welche Unterschiede macht es, wenn wir fünf Kunden mehr bis zum 30. Juli 2024 akquirieren?
Der gewünschten Zukunft auf der Spur
Genau diesen Fragen gehen wir nach, wenn wir mit dem Ende im Blick beginnen. Anstatt Ziele zu definieren, besprechen wir miteinander, wie das Zielbild, die gewünschte Zukunft im Detail aussehen soll. Was wird dann vorhanden sein? Welche Unterschiede wird dies machen, wenn wir am Ziel sind? Welche Wirkung erhoffen wir uns davon? Was wird dann für uns anders sein?
Wir versuchen, unsere gewünschte Zukunft von allen möglichen Seiten zu beleuchten. Dies tun wir mit Perspektivenwechseln, indem wir uns quasi in die «Schuhe» der anderen Stakeholder versetzen: Was wird dann für unsere Kund*innen anders sein? Was wird dann für die anderen Abteilungen möglich? Wie werden unsere Partner*innen darauf reagieren? Für wen wird dies noch einen Nutzen stiften?
Ziel ist, ein detailliertes Bild zu generieren, das begeistert und eine hohe Anziehungskraft hat. Dies ist vor allem auch dann vorhanden, wenn alle dabei mitmachen und ihre Sichtweisen einbringen können.
Wir besprechen zum Beispiel vor jedem neuen Projekt zuerst, welche Wirkung wir damit erreichen wollen. Ist uns im Detail klar, was wir wollen, ist der Weg dorthin oder sind zumindest die ersten Schritte, die wir einleiten können, meist auch einfach ersichtlich. Vor allem auch, wenn die Antworten auf unsere Fragen nach der gewünschten Zukunft detailliert und verhaltensorientiert sind.
«Wenn wir 10% mehr Gewinn erzielen, können wir den Gewinn in neue nachhaltige Projekte und in unsere Mitarbeitenden investieren. Dann können wir alle wieder mehr Weiterbildungen machen. Wir werden dann eine bessere Teamstimmung haben, da wir erfolgreich sind. Dies wird sich darin äussern, dass wir wieder mehr miteinander Pausen machen und zusammen mittagessen gehen. Unsere Kund*innen werden merken, dass wir noch serviceorientierter sind und wir eine noch bessere Kund*innenbeziehung aufgebaut haben. Dann werden wir wieder mehr vor Ort vorbeigehen und mit unseren Kund*innen das Erreichte feiern ...»
Das gute Gelingen fördern
Wissen Sie im Detail, wo Sie hinwollen, können Sie bereits damit beginnen, in diese Richtung zu gehen.
Sie können etwa im obigen Beispiel bereits heute wieder mehr Pausen zusammen verbringen oder gemeinsam mittagessen gehen. Sie können einfach an Ihrer Teamstimmung arbeiten oder noch serviceorientierter auf Ihre Kund*innen zugehen. Sie können bereits heute wieder vor Ort bei Ihren Kund*innen vorbeigehen und das Erreichte feiern. Dies wird nicht erst, wenn Sie am Ziel sind, wertvolle Unterschiede machen, sondern bereits auf dem Weg dorthin.
Fragen, um unser Zielbild detailliert zu besprechen.
- Was ist unser Ziel? Was sind unsere Ziele?
- Was wird dann anders sein, wenn wir diese Ziele erreicht haben?
- Was werden wir dann anders tun?
- Was wird dann für wen anders sein?
- Woran werden andere, zum Beispiel unsere Partner*innen, merken, dass wir am Ziel sind?
- Welche Unterschiede wird das Erreichen unseres Ziels noch machen?
- Was wird dann möglich, was heute noch nicht möglich ist?
- Was erhoffen wir uns aus dem Erreichen unserer Ziele?
- Wie werden unsere Mitarbeitenden dies bemerken?
- Was wird dann für sie anders sein?
- Welche Wirkung erhoffen wir uns aus dem Erreichen unseres Ziels?
- Wie werden wir dann anders zusammenarbeiten?
- Wie werden wir dann anders miteinander interagieren?
- Welche Unterschiede wird dies noch machen, wenn wir am Ziel sind?
Sammeln Sie gemeinsam zu jeder Frage 15–20 Details. Notieren Sie sich die Antworten, sodass Sie Ihr Zielbild so genau und detailliert wie möglich auch zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar haben.