19. Februar 2018

Kreativität: Der „Solution Worker“ als Antwort auf den Arbeitsmarkt von morgen

Ohne jeden Zweifel stehen die Umwälzungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt erst an ihrem Anfang, selbst wenn sich Megatrends wie die Digitalisierung in zunehmendem Tempo durch alle Branchen hindurch bemerkbar machen. Eine fortwährende Herausforderung für Unternehmen wie Mitarbeiter, die sich allesamt auf vollkommen veränderte – und sich weiterhin verändernde – Umstände einstellen müssen. Dabei zeichnet sich immer deutlicher ab: Das wichtigste Gut in dieser neuen Arbeitswelt ist Kreativität. Und die Menschen, die sie einbringen können.

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Der kreative Gegenentwurf zur digitalen Arbeitswelt

Seit Jahrzehnten ist es eine ebenso faszinierende wie erschreckende Zukunftsvision, dass Maschinen über ihre Rollen als Hilfsmittel der Menschen hinauswachsen und das Kräfteverhältnis umkehren. Wie gesagt, utopische Vorstellungen, die sich auf die Zukunft richten. Allerdings muss man den Blick gar nicht so weit schweifen lassen, um gewisse Ängste bezüglich der Auswirkungen der Digitalisierung und Technisierung zu erkennen – die sind nämlich ein fester Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des gegenwärtigen Arbeitsmarktes.

Das betrifft vor allem die Industrie, in der Befürchtungen, die Automatisierung könnte einen grossen Teil der Arbeitsplätze obsolet machen, zum täglichen Geschäft gehören. Die Prognosen dahingehend sind selten optimistisch, aber immer mit Hinweis versehen, dass auf diesem Wege völlig neue Aufgaben- und Berufsfelder entstehen. Woraus zwangsläufig folgt: Es wird in Zukunft andere Kompetenzen und Qualifikationen brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Einen in Teilen sicherlich ironisch zu verstehenden, dennoch durchaus ernst zu nehmenden Ansatz zu dieser Problematik hat vor einigen Jahren bereits der amerikanische Autor Daniel H. Pink geliefert, mit seinem Buch „A Whole New Mind: Moving from the Information Age to the Conceptual Age“. Der deutschsprachige Titel („Unsere kreative Zukunft“) verrät etwas mehr über die Idee von Pink, dort wird im Untertitel nämlich bereits die Frage formuliert, warum und wie wir unser Rechtshirnpotenzial entwickeln müssen.

Rechte Gehirnhälfte gegen linke Gehirnhälfte

Mit der Analogie der unterschiedlichen Aufgaben der beiden menschlichen Gehirnhälften illustriert Pink den möglichen / notwendigen Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt. Unsere linke Gehirnhälfte ist allgemeinhin für das logische, sequentielle Denken verantwortlich, was sich wiederum bis zu einem gewissen Grad mit den Prozessen in einem Computer vergleichen lässt. Diese Art zu denken war ein ausschlaggebender Faktor für die Weiterentwicklung vom Industrie- zum Wissenszeitalter.

Das Problem daran wurde allerdings schon benannt: Digitalisierung, Vernetzung und die Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz haben dafür gesorgt, dass die Leistungsfähigkeit unserer linken Gehirnhälfte bereits übertroffen wurde. Die Arbeit am PC ist in vielen Bereichen nicht mehr notwendig, weil der Computer ohne unsere „Unterstützung“ sehr viel schneller arbeiten kann. So werden etwa Programmierer, ihrerseits ein Paradebeispiel für die Dominanz der „Linksdenker“, durch Software ersetzt, die denselben Job machen kann – nur in sehr viel kürzerer Zeit.

Unter diesen Umständen ist es naheliegend, nicht weiter zu versuchen, über bereits erreichte Grenzen hinauszugehen, sondern einen anderen Weg einzuschlagen. Es ist gleichermassen Chance und Notwendigkeit, die ihren Ursprung in der westlichen Wohlstandsgesellschaft hat. Die erfordert zwar gerade hinsichtlich der Gestaltung der Arbeitswelt ein Umdenken, lässt aber gleichzeitig die Zeit zu einem solchen Umdenken.

Auf dieser Basis, so die Schlussfolgerung von Pink, verliert die Wissensverarbeitung gegenüber dem schöpferischen, dem intuitiven, dem holistischen und non-linearen Denken an Bedeutung. Wichtiger wird vielmehr das kreative Potenzial, das in der rechten Gehirnhälfte schlummert. Das vom US-Autor prophezeite „Konzeptionszeitalter“ wird deshalb auch eher von Aspekten wie Design, Erzählkunst, Empathie oder Spiel bestimmt.

Vom Gedankenspiel zur Realität

Vieles von Pinks Überlegungen mag überspitzt erscheinen, dennoch lässt sich beobachten, dass Anforderungsprofile in verschiedensten Branchen sich in genau dieser Richtung verändern. Schlicht und ergreifend deshalb, weil sich die Arbeitsweisen ändern. In diesen sind fachliche Kompetenzen natürlich weiterhin eine feste Grösse, aber längst nicht mehr der bestimmende Faktor. Kreativität und Innovation sind Antreiber und Wettbewerbsvorteil zu gleichen Teilen und mit Design Thinking, Minimal Viable Innovation Systems oder agilen Projektteams bemühen sich Unternehmen, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Das gilt aber genauso für die Mitarbeiter. Als „Solution Worker“ obliegt es ihnen, kreative Lösungswege zu finden. Wichtigstes Hilfsmittel dabei: Die Verknüpfung von unterschiedlichsten Informationen und Wissensquellen. Woraus sich schon ablesen lässt, dass Interdisziplinarität ein weiterer, wichtiger Baustein für die Arbeitswelt im Konzeptionszeitalter ist – und das branchenübergreifend.

Prozess-Knowhow ist folglich nicht mehr nur im Bezug auf das eigene Berufsfeld ein zwingender Vorteil, sondern umso mehr, wenn es sich auf andere Branchen oder Wissensfelder erstreckt. Dabei kommt es nicht unbedingt auf eine „Artverwandtschaft“ der unterschiedlichen Disziplinen an, was natürlich die Annäherung und Vernetzung erleichtert. Tatsächlich ist aber fast genauso wahrscheinlich, sehr unterschiedliche Denkschemata, Sprachen und Begrifflichkeiten unter einen Hut zu bringen.

Interdisziplinäre Teamarbeit

Immerhin findet der Ansatz schon vielfach Anwendung, insbesondere hinsichtlich der interdisziplinären Zusammenarbeit in Projektteams. Obgleich das Miteinander in einem derart heterogenen Team eine besondere Herausforderung darstellt, ist ein gravierender Vorteil offensichtlich: Die einzelnen Teammitglieder müssen sich nicht erst in fachfremde Materie einarbeiten, weil die Experten für diese Gebiete ebenfalls zum Team gehören.

Eine augenscheinliche Erleichterung, gerade vor dem üblichen Hintergrund von Projektarbeit – hier geht es immerhin in den meisten Fällen darum, neuartige und ausserhalb des Tagesgeschäfts liegende Aufgaben zu lösen, innerhalb eindeutig definierter Ziele und eines begrenzten Budgets. Ein Team für Multi- oder gar Omnichannel-Marketing mag daher nicht allein von Marktanalysten und Social Media-Spezialisten profitieren, sondern in gleicher Weise von Experten, die sich mit den Feinheiten von Druckprozessen wie dem Farbauftrag oder ähnlichem auskennen – vor allem bei dringlichen Aufträgen, die noch dazu wenig kosten sollen.

Auf der anderen Seite ist die Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken aber nicht allein für Projektteams interessant, sondern genauso für den einzelnen Arbeitnehmer, dem sich über diesen Weg womöglich ganz neue berufliche Perspektiven eröffnen. Interdisziplinär ausgebildete Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler können durch ihre vielseitigen Kompetenzen in verschiedensten Branchen Anstellung finden, von der naheliegenden Qualitätssicherung in der Produktion über das schon angesprochene Marketing bis hin zur wissenschaftlichen Forschung.

Es soll allerdings keineswegs der Eindruck entstehen, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit Industrie und Wirtschaft vorbehalten ist oder vielleicht noch dem ganzen medizinischen Bereich. Im Gegenteil ist etwa auch in der Sozialen Arbeit eine wichtige Stütze – übrigens mit denselben Vorteilen und denselben Herausforderungen, wie sie etwa die Industrie 4.0 zu bewältigen hat. Kreative Köpfe kann das natürlich nur freuen, immerhin werden „Solution Workers“ allerorten gesucht.

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