19. März 2026

Zukunftskompetenzen: Was Mitarbeitende morgen brauchen

Zukunftskompetenzen

Die Schweizer Arbeitswelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Neue Kompetenzanforderungen, zunehmender Druck auf mentale Gesundheit und die alternde Gesellschaft verändern, was Unternehmen von ihren Mitarbeitenden benötigen. Gleichzeitig beschleunigt der technologische Fortschritt — insbesondere durch künstliche Intelligenz — diesen Wandel massiv. Doch was heisst das konkret für Schweizer Unternehmen?

Von: Sonja Kupferschmid Boxler, Pascal von Känel  

Sonja Kupferschmid Boxler

Sonja Kupferschmid Boxler ist beim Coachingzentrum Olten – das seit mehr als 20 Jahren als das Kompetenzzentrum für Coaching, betriebl. Mentoring, Supervision und Resilienztraining gilt – in der Geschäftsführung tätig und hat sich beim Auf- und Ausbau des Weiterbildungsangebotes vertieft mit dem Resilienzkonzept auseinandergesetzt. Als Arbeits- und Organisationspsychologin und Klinische Psychologin verfügt sie über ein wissenschaftlich fundiertes Know-how im Bereich der Psychologie. Ihr Praxisbezug gründet ausserdem in ihrer täglichen Arbeit als Coach, Trainerin und Psychotherapeutin.

Pascal von Känel

Pascal von Känel

Pascal von Känel befindet sich im Masterstudium für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie & Verhaltensmedizin an der Universität Bern. Mit ersten Berufserfahrungen im Bildungswesen und der Psychiatrie unterstützt er das Coachingzentrum als Praktikant in der Produktentwicklung sowie im Bereich Marketing und Kommunikation.

Während die öffentliche Diskussion oft auf die reine Anzahl fehlender Fach­kräfte fokussiert, entwickeln sich im Hin­tergrund zwei grössere Herausforderun­gen: der Skills Gap und der Mindset Gap.

Der Skills Gap: Wo Kompetenzen fehlen

Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist längst nicht mehr nur eine Frage der Quantität. Eine Deloitte-Studie zeigt, dass Unternehmen in der Schweiz besonders in den Bereichen Technologie, Digitalisierung und sozialer Kompetenzen Nachholbedarf sehen: 66% nennen fehlende technische Kompetenzen als zentrales Problem, 56% sehen digitale Defizite bei Mitarbeitenden. Gleichzeitig mangelt es an Soft Skills wie Teamfähigkeit oder Empathie, die gerade in hybriden Arbeitsumgebungen essen­ziell sind. Zudem geben fast sieben von zehn befragten Unternehmen an, dass ihre Mitarbeitenden nicht ausreichend auf kommende Herausforderungen vorberei­tet seien und nur wenige über interkultu-relle und globale Kompetenzen verfügen.

Der Mindset Gap: Die unter­schätzte Herausforderung

Neben der Frage, was Mitarbeitende können, stellt sich immer öfter die Frage, wie sie Veränderungen begegnen. Der «Mindset Gap» meint dabei die Lücke zwischen den Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt und der inneren Haltung vieler Beschäftigter.

Future Skills, wie Veränderungsbereit­schaft, Eigenverantwortung für Lernprozesse und Risikobereitschaft, sind zuneh­mend zentral. Doch der Aufbau dieser Haltungen gelingt nicht durch klassische Trainings allein. Vielmehr braucht es eine neue Unternehmenskultur – getragen von Führungskräften, die selbst vorleben, was Wandel bedeutet.

Drei wegweisende Zukunftskompetenzen

Drei Kompetenzfelder kristallisieren sich als besonders zukunftsrelevant heraus:

  1. Technologische Kompetenzen: Der Umgang mit KI und digitalen Tools ist kein Spezialwissen mehr, sondern wird zur Grundanforderung. Viele Unter­nehmen sehen erheblichen Weiter­bildungsbedarf, um die Potenziale der neuen Technologien tatsächlich zu nutzen.

  2. Soziale Kompetenzen: Mit zuneh­mender Automatisierung werden menschliche Fähigkeiten wie Empathie und Kommunikationsstärke zu Dif­ferenzierungsmerkmalen. Diese Soft Skills gewinnen besonders in Füh­rungssituationen an Bedeutung.

  3. Kognitive Kompetenzen: Kreativi­tät, kritisches Denken und die Fähig­keit, Wissen weiterzugeben, sind zentrale Schlüsselqualifikationen der Zukunft.

Demografischer Wandel als Chance sehen

Laut einer aktuellen Deloitte-Umfrage spüren 50% der Unternehmen in der Schweiz bereits jetzt die Auswirkungen des demografischen Wandels – Tendenz steigend. Dennoch fördern nur 14% ak­tiv die Weiterbeschäftigung älterer Mit-arbeitender. Über 55-Jährige machen 23% der Erwerbstätigen aus, stellen jedoch nur 8% der Neueinstellungen. Diese Diskrepanz stellt ein enormes Po­tenzial dar, das bisher weitgehend unge­nutzt bleibt – insbesondere in Bezug auf Wissenstransfer und generationenüber-greifendes Lernen.

Die Generation Z leistet mit dem Au­genmerk auf die psychische Gesundheit ebenfalls einen Beitrag dazu. Psychische Belastungen wirken sich nicht nur auf das Wohlbefinden, sondern auch auf die Leis­tung von Teams aus. Neben individuellen Resilienztrainings sind strukturelle Verän­derungen nötig: etwa realistische Arbeits­ziele, Ruhephasen und eine Kultur der Wertschätzung. Mentale Gesundheit ist als Führungsaufgabe zu verstehen. Füh­rungskräfte sollten Vorbilder sein – und zwar nicht nur für Leistung, sondern auch für gesunde Grenzen.

Die Handlungsfelder für HR-und Führungsverantwortliche

Es ergeben sich nun mehrere Handlungs­felder, wo HR-Personal und Führungskräf­te ansetzen können, um die vorliegenden Herausforderungen zu bewältigen.

1. Kompetenzentwicklung neu denken

Die Zeiten starrer Schulungskataloge sind vorbei. Gefragt sind dynamische Lern reisen, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeitenden orien­tieren und unmittelbar anwendbar sind.

Der Fokus liegt auf personalisierten Lern­formaten, die sowohl technische als auch soziale Kompetenzen fördern. Dabei kommt Führungskräften eine besondere Rolle zu: Sie sollten nicht nur Weiterent­wicklung ermöglichen, sondern selbst als aktive Lernende vorangehen – und so den kulturellen Wandel glaubwürdig mitgestalten.

2. Resilienzförderung als Führungsaufgabe

HR- und Führungskräfte sind gefor­dert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Resilienz stärken und das mentale Wohlbefinden fördern. Dazu gehören realistische Zielsetzungen, klare Pau­senstrukturen und eine wertschätzende Unternehmenskultur. Vor allem braucht es Führung, die mit gutem Beispiel voran­geht und eine gesunde Balance zwischen Leistung und Selbstfürsorge vorlebt. Der offene Austausch über Belastungen soll­te dabei zur Selbstverständlichkeit werden.

3. Demografischen Wandel aktiv gestalten

Flexible Arbeitsmodelle können bei der Einbindung älterer Mitarbeitender eben­so hilfreich sein wie gezielte Programme zur Weiterbeschäftigung. Gleichzeitig gilt es, das wertvolle Wissen dieser Genera­tion zu sichern und den generationenübergreifenden Austausch zu fördern. Altersdiverse Teams bergen enormes Potenzial – sowohl für Innovationskraft als auch für kulturellen Zusammenhalt.

Coaching und betriebliches Mentoring als Schlüsselinstrumente

Professionelles Coaching und betriebli­ches Mentoring zählen zu den wirkungs­vollsten Hebeln, um den tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt aktiv zu ge­stalten. Sie unterstützen Führungskräfte dabei, ihre Teams sicher durch Phasen komplexer Veränderung zu führen – mit Klarheit, Orientierung und innerer Stabili­tät. Gleichzeitig fördern sie die Resilienz sowie das individuelle Lernen der Mitar­beitenden und eröffnen Räume für per­sönliche Entwicklung. Besonders wertvoll ist Coaching auch im generationenübergreifenden Kontext: Es ermöglicht den Wissenstransfer zwischen Jung und Alt und stärkt das Verständnis für unter­schiedliche Perspektiven. Damit wird Coaching nicht nur zum Instrument der Kompetenzentwicklung, sondern auch zu einem zentralen Baustein für den Kul-turwandel.

Zukunftsfähigkeit sichern: Der Zeitpunkt ist jetzt

Die Kombination aus Fachkräftemangel, Kompetenzlücken, psychischer Belastung und demografischem Wandel erfordert ein strategisches Umdenken. Wer jetzt in die gezielte Entwicklung seiner Mit­arbeitenden investiert – technologisch, mental und kulturell –, sichert sich einen klaren Wettbewerbsvorteil. Lebenslanges Lernen ist keine Option mehr. Es ist Vor­aussetzung für Zukunftsfähigkeit.

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