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07. Januar 2021

Online-Kommunikation: Everybody goes Video

Online-Kommunikation

Es wimmelt und flimmert nur so: Auf LinkedIn, WhatsApp, auf Facebook, Instagram und auf Webseiten – überall treten Führungskräfte auf, Managerinnen, Spezialisten, Bereichsleiter. Alle haben das bewegte Bild entdeckt. Alle treten auf. Alle haben etwas zu sagen. Das ist nicht immer gut.

Von: Beatrice Müller  

Beatrice Müller

Beatrice Müller ist Kommunikationsexpertin, Medien-und Auftrittstrainerin, Autorin und Inhaberin der Kommunikationsagentur authentic communication in Zürich. Als Journalistin und Anchor Woman hat sie das Schweizer News-Flaggschiff «Tagesschau» jahrelang mitgeprägt

Früher kommunizierte man per Rundschreiben, per Telefon und via Mails. Oder man lud zu einer Informationssitzung ein. Heute lädt man zu einer Videokonferenz ein oder postet eine Videobotschaft auf den diversen sozialen Kanälen oder der Webseite. «Das ist die neue Kommunikationsmethode», sagen einige. «Wer da nicht mitmacht, hat verloren.» Vielen täte es gut, nicht mitzumachen.

Die grassierende Videomanie hinterlässt manches Opfer. Viele dieser digitalen Aufnahmen sind kontraproduktiv. Viele benutzen die Plattform zur Selbstinszenierung. Da stehen sie vor einer Kamera, präsentieren mit viel Punch und Theatralik ihre Message – und merken nicht, dass sie die Einzigen sind, die sich toll finden.

Die Aufnahme einer Videobotschaft will gelernt sein

Da gibt es die energiegeladenen, stolzen IT-Spezialisten, die es fertigbringen, in einem aufgeplusterten Fünf-Minuten-Clip 22 Zahlen, 33 Fremdwörter und 44 Details abzuspulen. «Super», loben ihn seine Mitarbeiter. Was hat man von seiner Botschaft verstanden? Nichts.

Oder der CEO, der einen guten Job macht und beste Zahlen vorweisen kann. Plötzlich sagt man ihm, er solle eine Videobotschaft aufnehmen. Da steht er nun vor der Kamera und sagt einen Text auf, den er vorher säuberlich aufgeschrieben hat: Da gibt es Bandwurmsätze, Nebensätze zweiten, dritten Grades. Die Augen wandern von links nach rechts und wieder umgekehrt, denn er hat einen Zettel unter die Kamera geklebt, auf dem er mit grossen Lettern den Text aufgeschrieben hat. Von Dramaturgie hat der arme Mann keine Ahnung. Wie sollte er auch, das ist nicht sein Job.

Und da gibt es diese marktschreierischen Kerle, die so nahe gefilmt werden, dass sie fast aus dem Bild platzen und wie die billigen Jakobs ihr Können, ihre Ware oder ihren Betrieb anpreisen. Oft ist das schwer auszuhalten. «Ich markiere Präsenz», lobt sich der Schreihals stolz. «Nein», sage ich, «Sie fallen über mich her.»

Autofahren lernt man – und Auftreten?

Hauptsache, es flimmert, Hauptsache, man kann sich als Supermacher inszenieren. Doch wenn man eine Botschaft rüberbringen will, wenn man will, dass man versteht, was man sagt – dann genügt flimmern eben nicht.

Viele haben ein theoretisches Buch mit Anweisungen gelesen, wie man mit Videos umgeht. Einige Fetzen Theorie sind sicher gut, doch Praxis ist besser. Man kann auch ein Buch lesen, wie man das Autofahren lernt – doch Auto fahren kann man damit noch nicht.

Ob man nun eine Videobotschaft ins Netz stellt oder ob man an einer Videokonferenz via Zoom, Teams etc. teilnimmt: Wenn man ernst genommen werden und glaubwürdig auftreten will, ist es wichtig, sich intensiv mit der Materie zu beschäftigen.

Sicher sind die Sehgewohnheiten heute lockerer geworden als zu Zeiten der grossen Filmregisseure. Dennoch: Vieles, was man heute sieht, tut weh. Und wenn man nicht nur unterhalten, sondern ernsthaft kommunizieren will, sollte man einige ehrwürdige Mechanismen beachten. Wer sich über die hinwegsetzt – neue Sehgewohnheiten hin oder her –, der kommt nicht an und überzeugt nicht.

Weiterbildung in Auftrittskompetenz fördern

Das Coronavirus und der Zwang zum Homeoffice haben dazu geführt, dass sich viele unvorbereitet ins Abenteuer «Videoauftritt» hineinstürzen müssen. Das soll uns eine Lehre sein. Denn auch wenn die Seuche eines Tages verschwindet: Das Homeoffice verschwindet vielerorts nicht, und Videokonferenzen werden immer häufiger aufgeschaltet.

HR-Verantwortliche, Führungskräfte, aber auch die Mitarbeitenden müssen sich mit der Materie des souveränen Auftretens vertraut machen. Zu den vielen Aufgaben, welche die HR-Verantwortlichen haben, kommt nun diese wichtige Aufgabe dazu. Auftrittskompetenz muss gelernt und gefördert werden.

Was nützt es, gescheite Ideen und Visionen zu haben, wenn man sie nur stotternd, stammelnd, nervös und radebrechend vortragen kann. Dann hört niemand zu, dann verpuffen die besten Visionen. Und Auftrittskompetenz bedeutet heute eben auch: auftreten in Video konferenzen oder in Videoclips. Deshalb: Schickt die Leute in die Weiterbildung!

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