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19. Dezember 2018

Sinnstiftendes Arbeiten: Der Motivationstreiber Nummer Eins der Zukunft

Ist es der Lohn oder das Honorar? Oder sind es die Karrierechancen, das Arbeitsklima und das Weiterbildungsangebot, das uns im Job besonders antreibt? Gewiss, dies sind gute Treiber für starke Leistungen im Arbeitsleben. Was aber in Zukunft besonders angestrebt wird ist sinnstiftendes Arbeiten. Wer ist dafür verantwortlich, dass Job und Arbeit überhaupt Sinn stiften?

Menschen arbeiten, um etwas zu bewirken. Niemand schätzt es, ein fremdbestimmtes Rädchen im Getriebe der Unternehmen zu sein. Deshalb ist die Sehnsucht nach Sinn in der Arbeit so gross. „Der Kampf um die besten Talente wird nicht nur durch Geld und Karriere entschieden, sondern immer mehr auch durch den Aspekt des Sinnstiftenden“, sagt zum Beispiel Anne M. Schüller. Sie ist Managementdenkerin, Keynote-Speakerin, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmenstransformation. Sie wird eine der Keynotes sein am Leadership Forum der WEKA, dem alljährlichen Stelldichein und Netzwerk-Event der Führungsfachleute mit prominenten Referentinnen und Referenten.

Den Führungspersonen rät sie: „Wer das volle Engagement seiner Mitarbeiter will, muss Sinn in der Arbeit bieten. Denn Menschen arbeiten, um etwas zu bewirken und dies auch sichtbar zu machen. Sinn und das damit verbundene Glückserleben entstehen, wenn befähigte Mitarbeiter möglichst konkrete Aufgaben erledigen können, bei denen sie sich als wesentlich erleben.“ Menschen seien beseelt vom Wunsch, einen relevanten, nachhaltigen Beitrag zu leisten und fürchten die Vorstellung, ein bedeutungsloses Leben gelebt zu haben, so Schüller. Sich auf eine im Rahmen der eigenen Fähigkeiten liegende Art beweisen zu können empfinde man als erstrebenswert, denn „Dienst nach Vorschrift“ sorge zwar für Sicherheit, sei den meisten in Wahrheit aber ein Graus.

Menschen arbeiten, um etwas zu bewirken

„Um Wirksamkeit zu bezeugen, benötigen Mitarbeiter immer wieder neue, mehr oder weniger hohe, aber stets sinnvolle Ziele – seien es andersartige oder schwierigere – um diese mit Kreativität, Konzentration und Hingabe eigenverantwortlich angehen zu können. Sie brauchen zudem eine Rückmeldung über die Qualität ihrer Arbeit.“ Dazu braucht es aber auch den Mut der Führungspersonen den Mitarbeitenden zu erlauben, dass sie durch eigenverantwortliches Tun sich am besten mit Neuland vertraut machen können und durch Fehler lernen. Dieses Vorgehen verschaffe uns die Gewissheit, eine Situation zu beherrschen - und das wiederum gibe uns ein gutes Gefühl, meint Anne M- Schüller. Ein weiteres Plus sei: Sobald man selbst an einem Projekt beteiligt ist, unterstützt man dies mit noch mehr Engagement und Zielstrebigkeit. Schüller nennt dies das den "Mein-Baby-Effekt".

Warum Herausforderungen uns beflügeln

Das macht also im wahrsten Sinne des Wortes „Sinn“, wenn man nach dem Prinzip „Potenzialentfaltung statt Ressourcenausnutzung“ geht Potenzialentfaltung ist nämlich eng verbunden mit Sinnstiftung. Anne M. Schüller: „Ohne sinnvolle Herausforderungen hätten wir keine Möglichkeit, uns zu bewähren, auf uns stolz zu sein und die so wertvolle wie notwendige Aufmerksamkeit und Anerkennung unserer Mitmenschen zu erlangen. Unsere Motivation wird erst dann hochgeschaltet, wenn wir uns um eine Sache verdient machen können.“

Belohnung für intrinsische Motivation

Zu diesem Zweck ist unser Gehirn mit zwei Belohnungszentren ausgestattet: Eines für die Vorfreude und eines für die Nachfreude. Die Vorfreude drückt sich in Verlangen aus. Sie gibt uns den Antrieb, ein begehrenswertes Ziel tatsächlich erreichen zu wollen. Das zweite Belohnungszentrum versorgt uns mit Hochgefühlen nach erfolgreich vollbrachter Tat. Jeden Lernerfolg honoriert unser Oberstübchen mit einer Prise Glückseligkeit. Dafür zuständig ist der Botenstoff Dopamin, das Freudentaumel-Hormon, eine körpereigene Droge, die geradezu süchtig macht. Dopamin bringt die Synapsen in Schwung und lässt die Neuronen tanzen. Für das hingegen, was uns anstrengungslos einfach so in den Schoss  fällt, gibt es kein Dopamin. Die Evolution belohnt uns auch dann via Dopamin, wenn wir uns als wertvolles Mitglied einer Gruppe zeigen, wenn wir Wertstiftendes tun und über uns selbst hinausgewachsen sind. Dies gilt nicht nur für körperlich tätige Menschen, sondern besonders für Kopfarbeiter. Geistesblitze und Schöpferkraft erzeugen starke Momente des Glücks.

Sinn lässt Kreativität sprudeln

Sinnvolles Handeln führe, so Schüller weiter, zu einer Aktivierung des Gehirns, zum „Mehr-machen-Wollen“, zum Aufbau von Millionen von Hochleistungsneuronen und zu einer stärkeren Vernetzung der Lerninhalte. „Herausforderungen beflügeln“, sagt der Volksmund so trefflich. „Ein Mangel an Herausforderung hingegen lässt selbst die Talente der Besten veröden.“ Unternehmen, die von ihren Mitarbeitern Grosses wollen, bringen sie also am besten dazu, sich auf die eine oder andere Weise immer wieder selbst zu übertreffen. Drohkulissen, entseelte Arbeit und anhaltende Frustration hingegen sorgen dafür, dass Menschen ihren Ehrgeiz verlieren, weil die Dopamin-Produktion verebbe.

Menschen sind eigentlich geboren, um ein Leben voller Sinn zu führen. Wir alle wurden als einzigartige Individuen mit einem mächtigen Gestaltungswillen geboren, um ein Leben voller Sinn zu führen. Sinn ist die besonnene Schwester der Begeisterung. Während Begeisterung eine stark extrinsische Färbung besitzt, ist Sinn eher intrinsisch. Sinn trägt weder Maximierungszwänge noch Konkurrenzkomponenten in sich. Sinn ist sich selbst gut genug. Wo es jedoch keinerlei Möglichkeiten gibt, auf ureigene Weise Sinn zu erleben, werden als erstes die Guten, die Wertvollen und die Talentierten aus solcher Umgebung migrieren, um sich auf die Suche nach einem Arbeitsort mit mehr Sinn, mehr Freiheit und mehr Arbeitsfreude zu machen.

Fremdbestimmtheit macht uns ganz klein

Nur wer „frei“ ist, kann sich voll entfalten. Wer sich hingegen überfahren oder sich in eine Statistenrolle gedrängt fühle, reagiere darauf mit einem lähmenden Ohnmachtsgefühl. „Ohnmächtig, also fremdbestimmt und ohne Macht zu sein, das macht uns ganz klein und lethargisch. Eine Marionette bewegt sich ja auch immer erst dann, wenn man an ihren Strippen zieht. Hingegen blühen die Menschen auf und beginnen, eigenverantwortlich zu handeln, wenn man ihnen Spiel-Raum im wahrsten Sinne des Wortes gibt“, so Schüller weiter. Die wichtigste Frage im Kontext einer modernen Mitarbeiterführung sei also: Was ist der Daseinssinn eines Mitarbeitenden und warum ist diese Person in dieser Funktion oder Stelle? Im Managerslang spricht man dabei von „Purpose“.

Sinnsucher per se: die Generation Y

„Vor allem die talentierten Millennials streben danach, ihre Individualität zu leben und Fremdbestimmung zu minimieren. Sie wollen Selbstwirksamkeit spüren und nicht zum Spielball Dritter werden. Sie wollen Spuren hinterlassen und Teil von etwas Bedeutsamem sein. Und sie fragen sich ständig, ob das, was sie tun, sinnvoll ist.“ Anne M. Schüllers Fazit: „Der Kampf um die besten Performer wird also nicht nur durch Geld entschieden, sondern immer mehr auch durch Sinn. Diese Grundeinstellung befruchtet inzwischen den kompletten Arbeitsmarkt. Zunehmend wünschen sich die Menschen, dass alles Berufliche zu einem bereichernden und in hohem Masse befriedigenden Teil ihres Lebens wird. Denn Arbeitszeit ist Lebenszeit.“

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