13. Juli 2026

Schätzen, was gelingt: Fünf Wege, Gelingendes zu stärken

Schätzen, was gelingt

Im hektischen Alltag übersehen wir leicht, was bereits funktioniert. Dabei steckt gerade darin grosses Potenzial. Diese fünf Impulse laden dazu ein, Gelingendes sichtbar zu machen – und davon mehr zu tun.

Von: Elfriede Czerny, Dominik Godat  

Elfriede Czerny

Sie ist Coach und Potenzialentwicklerin. Gemeinsam mit Dominik Godat leitet sie das Zent­rum für lösungsfokussierte Führung.

Dominik Godat

Er ist Studienleiter des CAS Coaching als Führungs­kompetenz an der Hochschule Luzern und Buchautor.

Wie kann es gelingen, das Funktionie­rende im Alltag besser sichtbar und nutzbar zu machen? Die folgenden fünf Ideen laden dazu ein, Funktionie­rendes zu entdecken, zu würdigen und weiterzuentwickeln.

Die Fortschrittsliste – das Gelingende zählen

Was haben Sie heute eigentlich alles getan? Oft bleibt am Abend das Ge­fühl zurück, dass der Tag verflogen ist, ohne dass viel passiert wäre. Eine Fortschrittsliste hilft, zu erkennen, was Sie alles geleistet haben.

So geht’s:

Wählen Sie morgens eine Zahl zwischen 30 und 50 und machen Sie im Laufe des Tages für jede erledigte Aufgabe einen Strich – egal, wie klein sie ist. E-Mail beantwortet? Strich. Gespräch ge­führt? Strich. Idee notiert? Strich.

So wird sichtbar, was Sie geleistet ha­ben. Der Fokus verschiebt sich: weg von dem, was noch fehlt, hin zu dem, was bereits gelungen ist.

Mein Ressourcen-Spickzettel – Stärken im Blick behalten 

Gerade in herausfordernden Situatio­nen lohnt es sich, bewusst auf Stär­ken und Fähigkeiten zu achten – bei sich selbst und bei anderen. Erstellen Sie beim nächsten schwierigen Ge­spräch oder Meeting einen Ressour­cen­Spickzettel. Er hilft Ihnen, den Blick gezielt auf Stärken, gelingende Beiträge und funktionierende Momen­te zu richten.

So geht’s:

Erstellen Sie eine Liste mit 30 bis 50 Dingen, die Sie an der anderen Per­son schätzen: Was schätzen Sie an der Person? Was gelingt der Person gut? Welche Beiträge sind hilfreich? Wann ist die Zusammenarbeit mit die­ser Person besonders konstruktiv? Lesen Sie diese Notizen vor wichtigen Gesprächen durch.

Der Perspektivenwechsel wirkt: Oft verändert sich dadurch die Dynamik im Gespräch – Gespräche werden leichter, Begegnungen gelassener.

Funktionierendes Feedback – von anderen lernen, was wirkt 

Wann haben Sie das letzte Mal ein po­sitives Feedback erhalten? Falls dies schon länger her ist, holen Sie eines ein. Ob Vorgesetzte, Teamkolleg*innen, Familie oder Freund*innen, es stärkt und hilft zu sehen, was wirkt:

So geht’s:

Fragen Sie Ihr Umfeld: Was schätzt du an meiner Arbeit? Welche meiner Verhaltensweisen sind besonders hilf­reich? Welche Momente unserer Zu­sammenarbeit waren Highlights – und was habe ich dazu beigetragen?

Solche Fragen stärken Ihre Zusam­menarbeit und öffnen zugleich die Tür für gegenseitiges Lernen.

Funktionierendes im Team erkennen

Teams sind dann stark, wenn sie wissen, was sie stark macht.

So geht’s:

Nehmen Sie sich in Ihrer nächsten Sit­zung 45 Minuten Zeit für ein gemein­sames Erforschen des Funktionieren­den: Zeichnen Sie eine Skala von 1 bis 10 und lassen Sie jedes Teammit­glied einschätzen, wo das Team aktu­ell steht. Sammeln Sie anschliessend gemeinsam, was bereits funktioniert: Was sorgt dafür, dass wir schon bei X und nicht bei 1 stehen? Was funktio­niert gut? Wofür werden wir von ande­ren geschätzt?

Solche Gespräche stärken Vertrauen und zeigen, dass Entwicklung auf be­reits Bewährtem aufbauen darf.

Erfolge teilen und gemeinsam feiern

Ob klein oder gross – Erfolge verdie­nen Sichtbarkeit. Feiern Sie Fortschrit­te gemeinsam, anstatt sie im Alltag untergehen zu lassen.

So geht’s:

Manche Teams nutzen eine «Erfolgs­wand», andere beginnen Meetings mit einem kurzen Austausch über High­lights der Woche. Das bewusste Feiern des Funktionierenden schafft positive Energie, verbindet und erinnert daran, dass gute Zusammenarbeit kein Zufall ist – sondern das Ergebnis vieler klei­ner Dinge, die funktionieren.

Wer Funktionierendes sichtbar macht, stärkt das, was trägt. Kleine Gesten, bewusste Fragen oder einfache Ritua­le genügen, um Fortschritte zu erken­nen und zu würdigen.

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