13. November 2017

Persönlichkeit: Was zeichnet Persönlichkeit im Business aus?

Kennen Sie das Big 5-Modell aus der psychologischen Forschung? Um die Persönlichkeit eines Menschen besser beurteilen zu können, haben die Forscher fünf sogenannte Dimensionen entwickelt, die die Persönlichkeit besser beschreiben und skalieren sollen.

Von: Stephan Bernhard   Kommentieren  

Stephan Bernhard

Stephan Bernhard ist seit 2003 Geschäfsführer der WEKA Business Media AG. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Bern hat sich der gelernte Bankkaufmann weiter zum dipl. Marketingleiter weiterausgebildet. Ein abgeschlossener Masterlehrgang beim Management Zentrum St. Gallen rundet seine Ausbildung ab. Er ist dafür verantwortlich, dass sich die WEKA Business Media AG vom einfachen Verlag hin zu einem modernen Medienunternehmen weiterentwickelt hat. Er ist verheiratet und ist Vater einer Tochter.

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Im Nachfolgenden werden die 5 Dimensionen des Big 5-Modells genauer betrachtet und es wird geklärt, worauf im Berufsalltag besonders geachtet werden sollte:

1. Offenheit für Erfahrungen

In der ersten Dimension geht es grundsätzlich um die Einstellung gegenüber Neuem. Besitzt man selber genügend Fantasie oder eben Vorstellungskraft, um etwas Gegebenes auch neu zu denken oder einer besseren und geeigneteren Alternative Wohlwollen entgegen zu bringen. Kreativität und Ideenreichtum sind wichtige Treiber für Veränderungen, wobei diese immer sehr differenziert betrachtet werden müssen.

Die beiden Extrempole rund um die Dimension „Offenheit für Erfahrungen“ lauten somit:
Faszination für Neues versus Bevorzugen des Bekannten.

2. Gewissenhaftigkeit

In der zweiten Dimension steht das Wort „Zuverlässigkeit“ im Zentrum. Zuverlässigkeit in vielerlei Hinsicht. Nimmt man Ziele ernst? Behält man Ordnung und bewahrt die Übersicht? Erledigt man seine Aufgaben gründlich und konsequent? Ich erachte diese Dimension als Musseigenschaften, die jede berufstätige Person mitbringen muss, um überhaupt einen Beruf ausüben zu dürfen. Nach dem Krieg wurden Generationen auf diese Tugenden gedrillt. Speziell bei den „Babyboomern“ galten diese Tugenden als Dogma. Das deutsche Wirtschaftswunder basiert zu einem grossen Teil darauf. Das dies heute aber alleine nicht mehr genügt, ist auch allen klar. Sorgfalt, Fleiss, Ordnung und Intelligenz sind wichtige Eigenschaften. In Zeiten der Veränderung helfen sie aber nur noch bedingt.

Die Extrempole in der Dimension „Gewissenhaftigkeit“ lauten:
Ausdauernde zielgerichtete Leistungsorientierung versus hohe Ablenkungsgefahr und Tendenz zur Verzettelung.

3. Extraversion

Die 3. Dimension beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Verträglichkeit. Zum einen gibt es Menschen, die „outgoing“ sind und keine Mühe haben, mit anderen in Kontakt zu treten. Sie versprühen oft (anfänglich) eine positive Haltung, sind neugierig, zeigen ein Interesse am Mitmenschen und nehmen an dessen Leben teil. Zum anderen gibt es Menschen, die verschlossener wirken und wenig Positives ausstrahlen. Oft auf den ersten Blick. Es sind Menschen, die aus Erfahrung vorsichtiger mit neuen Kontakten umgehen und sich möglicherweise weniger schnell blenden lassen.

In der Dimension „Extraversion“ lauten die Extreme:
Durchsetzungsfähigkeit durch Sprachgewalt versus Introvertiertheit.

4. Verträglichkeit

Konsenssuche und Konsenswille stehen bei der 4. Dimension im Zentrum. Dies ist die Paradedisziplin der Schweizer. Aufgrund der grossen Vielfältigkeit (z.B. 4 Landessprachen oder 26 Kantone) sind wir tendenziell daran interessiert breit abgestützte Lösungen (ohne Schnellschüsse) zu favorisieren. Dadurch wirken wir nach aussen träge und langweilig. Die Lösungen haben aber meistens Hand und Fuss. Toleranz und Kooperationsbereitschaft werden in dieser Dimension auch gross geschrieben. Hier brauchen wir uns auch nicht zu verstecken. Im internationalen Vergleich sind wir hier absolute Spitze. Dies sind entscheidende Eigenschaften für Fortschritt und Entwicklung.

Die beiden Extrem-Profile in der Dimension „Verträglichkeit“ heissen:
Harmonie versus Egoismus und Sturheit.

5. Neurotizismus

In der 5. und letzten Dimension setzen wir uns mit Themen auseinander, die uns möglicherweise blockieren, wie Übervorsichtigkeit, Ängstlichkeit oder generell Anspannung. Sehen wir hier die Welt etwas zu schwarz und vermuten hinter jeder Entwicklung etwas Negatives für sich selbst. Diese Einstellung führt oft zu Blockaden, die jegliche Form von Entwicklung hemmen oder gar ganz stoppen.

Die entsprechenden Extrempole in der letzten Dimension „Neurotizismus“ sind folglich:
In der Ruhe liegt Kraft und Begeisterung versus Unsicherheit und Gehemmtheit.

Was bedeutet dies für den Berufsalltag?

Wie so oft gibt es unzählige Studien, die das eine oder andere belegen und bevorteilen. Somit ist es nicht ganz einfach eine klare Antwort zu erhalten. Aber es gibt Tendenzen.

Menschen, die selbständig und gut organisiert sind, die gründlich arbeiten, fähig sind zu planen und ausdauernd auf ihre Ziele hinarbeiten, sind in der Lage, bessere Arbeitsleistungen zu erbringen als solche, die diese Fähigkeiten nur bedingt oder gar nicht mitbringen.

Es ist zudem kein Geheimnis, dass sich für Führungs- und Verkaufsaufgaben eher Menschen eignen, die die Sprachgewalt beherrschen. Introvertierte Menschen sollten ihre Berufung eher in Bereichen suchen, in denen analytische oder ausführende Aufgaben im Zentrum stehen. Mit Verkaufsaufgaben oder der Führung von Menschen würden diese langfristig nicht glücklich.

Die heutige Arbeitswelt ist anspruchsvoll und wird wohl noch anspruchsvoller. Wie bereits erwähnt, ist es zwar positiv, wenn man in der Lage ist, sorgfältig, überlegt und gründlich zu arbeiten, aber die Eigenschaften Kreativität, Initiative, Engagement, Passion und Belastbarkeit werden rapide an Bedeutung gewinnen, weil eben viele hergebrachte Lösungen durch neue Verfahren und Prozesse überholt sind.

Aufgaben, deren Kern das Verwalten ist, wie z. B. jegliche Form von Routinetätigkeiten, werden sukzessive von automatisierten Prozessen, Maschinen und Robotern übernommen und bedrängen die Aufgaben- und Stelleninhaber.

Da von Maschinen weder Kreativität, Leidenschaft, Initiative noch Engagement ausgehen, sollte sich die Arbeitswelt vor allem auf diese Bereiche konzentrieren. Hier sind die grossen Handlungspotenziale und das wird noch eine lange Zeit so bleiben.