19. Februar 2026

Hybride Führung: Gekommen, um zu bleiben

Hybride Führung

Ein Innosuisse-Forschungsprojekt der Hochschule Luzern zeigt: Hybride Führung internationaler Teams braucht ein neues Verständnis von Kompetenzen, Technologie und Kontext. Wer diese Hebel strategisch verbindet, schafft die Basis für effiziente Zusammenarbeit, Zusammenhalt und Innovationskraft.

Von: Rea Haldemann, Moana Monnier, Helena Pleinert, Ingo Stolz, Myrto Zehnder  

Rea Haldemann

Rea Haldemann

Rea Haldemann ist Arbeits- und Organisationspsychologin an der Hochschule Luzern. Als Senior Wissenschaftliche Mitarbeiterin forscht sie zur Gestaltung von Arbeit, Führung und Organisation im Kontext von Wandel, Digitalisierung und Future of Work.

Moana Monnier

Moana Monnier

Dr. Moana Monnier lehrt und forscht zu Human Factors und Future Skills an der Hochschule Luzern. Sie leitet die Majors Arbeits- und Organisations-psychologie im Master- und Bachelorstudiengang für Business Psychology.

Helena Pleinert

Dr. Helena Pleinert

Dr. Helena Pleinert Dr. Helena Pleinert ist ursprünglich Physik-Ingenieur und heute Managing Partner bei Pleinert & Partner. Sie unterstützt Unternehmen bei der Frage, wie innovative organisatorische Strukturen genutzt werden können, um Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Ingo Stolz

Prof. Dr. Ingo Stolz

Prof. Dr. Ingo Stolz ist Professor für Leadership & HR und co-leitet das Competence Center für Unternehmensentwicklung, Leader ship & HR an der Hochschule Luzern.

Myrto Zehnder

Myrto Zehnder

Myrto Zehnder ist ursprünglich Informatikingenieurin und Organisationscoach. Heute unterstützt sie als Managing Partner bei Pleinert & Partner Organisationen dabei, Zusammenarbeit und Prozesse wirksam, menschlich und zukunftsgerichtet zu gestalten.

Die hybride Realität

Hybride Arbeitsformen gehören längst zum Alltag. Mitarbeitende arbeiten im Büro, im Homeoffice oder von beliebigen Orten aus; internationale Teams verteilen sich über Länder, Zeitzonen und Sprach­räume hinweg. Digitale Kommunika-tions- und Kollaborationstools machen dies möglich.

Hybride Arbeit eröffnet Unternehmen Zu­gang zu einem breiteren Talentpool – über Ländergrenzen, Arbeitsstile und Lebens­umstände hinweg. Die damit verbundene Flexibilität stärkt Diversität, Autonomie und Innovationskraft. Für Mitarbeitende bedeutet sie zugleich mehr Freiheit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Doch wenn Kommunika­tion und Zusammenhalt vernachlässigt werden, drohen Ineffizienzen, Stress durch verschwimmende Grenzen und so­ziale Isolation – Faktoren, die die Vorteile schnell schmälern können.

Dennoch ist klar: Hybride Arbeit bleibt. Die Frage ist nicht, ob, sondern wie wir sie gestalten, sodass die genannten Po­tenziale ausgeschöpft werden können. Damit befasste sich das Innosuisse-For-schungsprojekt «hyFiT – hybride Führung internationaler Teams» der Hochschule Luzern mit Pleinert & Partner.

Führungskompetenzen stärken

Der erste Schritt zu wirksamer hybrider Führung ist die gezielte Entwicklung von Kompetenzen. Im Forschungsprojekt «hyFiT» haben wir dafür ein Kompetenz modell validiert, das acht zentrale Fähig­keiten in zwei Dimensionen beschreibt. Zum einen das hybride Mindset, also das Bewusstsein für Rolle, Mediennutzung, Nähe trotz Distanz und Informationsfluss. Und zum anderen die hybride Handlung, also die konkrete Umsetzung in Bezug auf Technologieeinsatz, Vertrauensbildung, kulturelles Management und Befähigung von Mitarbeitenden.

Entscheidend ist, als Führungskraft ein hybrides Mindset zu entwickeln und es in konkrete Handlungen zu übersetzen. Daraus resultieren ein starkes Zugehörig­keitsgefühl und klare Kommunikations­wege für Mitarbeitende in komplexen, internationalen Umgebungen. Das stärkt Zusammenhalt trotz Distanz und fördert die Resilienz der Teams in Zeiten schnellen Wandels. Die aktuelle Forschung zu Fu­ture Skills zeigt, dass insbesondere Bezie-hungs- und Kooperationskompetenzen für gute Führung und Zusammenarbeit entscheidend sind, und damit ein zentra­ler Hebel für Produktivität und nachhalti­gen Erfolg darstellen.

Unsere Ergebnisse aus dem Projekt ma­chen aber auch deutlich, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen. Füh­rungskräfte schätzen ihre eigenen hybri­den Kompetenzen deutlich höher ein, als ihre Mitarbeitenden diese bewerten. Ein Fundament ist also vorhanden, doch seine Wirkung kommt in der Praxis oft nicht an.

Um hier anzusetzen, haben wir im Projekt ein Booster-Programm entwickelt. Dieses beinhaltet diagnostische Tools zur Mes­sung hybrider Führungskompetenzen auf organisatorischer und individueller Ebene, eine strategische Landkarte, aus der Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können, und ein Portfolio an Trainings.

Technologie als Führungsinstrument

Digitale Tools sind unverzichtbar für hy­bride Zusammenarbeit. Doch die Viel­zahl an Plattformen und Kanälen hat ihre Schattenseiten: Nachrichtenfluten über­fordern und Pendenzen gehen verloren.

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Tools, sondern ihr gezielter Einsatz. Kon­flikte gehören nicht in Mails, komplexe Themen nicht nur ins Meeting, sondern in Unterlagen. Hier werden die hybriden Kompetenzen, vor allem Medienbe­wusstsein und der gezielte Umgang mit Technologie, besonders greifbar. Führung bedeutet in solchen Situationen, das pas­sende Tool zu wählen, und verbindlich festlegen, wie welche Kanäle genutzt werden.

Gerade diese Regeln fehlen häufig. Oft ist unklar, welche Nachrichten per Mail, Chat oder Videokonferenz laufen sollen und wie schnell eine Antwort erwartet wird. Die Erkenntnisse aus unserem For­schungsprojekt zeigen, dass sich Mit­arbeitende unter Druck fühlen, auch abends oder am Wochenende erreichbar zu sein – insbesondere in global verteilten Teams mit unterschiedlichen Zeitzonen. Obwohl dies weder von Vorgesetzten noch von Kolleg*innen gefordert wird, bleibt der Druck bestehen, solange Er­wartungen nicht klar ausgesprochen sind.

Die Lösung ist einfach und wirksam zu­gleich: klare Abmachungen. Sie schaffen Transparenz, reduzieren Stress und ma­chen Zusammenarbeit effizienter.

Kontextbewusst führen

Hybride Teams sind nicht gleich hybride Teams. Kultur, Sprache, Teamgrösse und geografische Verteilung prägen die Zu­sammenarbeit entscheidend. Ein kleines Team, das sich regelmässig vor Ort trifft und eine gemeinsame Sprache spricht, stellt andere Anforderungen an Führung als ein grosses, globales Team, verteilt über mehrere Sprachräume und Zeit­zonen hinweg.

«One size fits all» funktioniert hier nicht, Führung muss sich am Kontext orientie­ren. Genau hier greifen die im Projekt definierten Handlungskompetenzen: kulturelle Unterschiede managen, Ver­trauen über Distanz hinweg aufbauen und Mitarbeitende so befähigen, dass Zusammenarbeit auch über Sprachen, Kontinente und Zeitzonen hinweg ge­lingt.

Eine zentrale Erkenntnis aus unserem Projekt zeigt, dass Bindung vor allem dann entsteht, wenn Teams sowohl on­line als auch vor Ort interagieren. Reine Online- oder reine Vor-Ort-Kontakte schaffen weniger Verbundenheit. Richtig gestaltet kann hybride Zusammenarbeit also nicht nur Distanz überbrücken, son­dern sogar das Zugehörigkeitsgefühl im Team stärken.

Ausblick: Führung verändern

Hybride Führung internationaler Teams ist gekommen, um zu bleiben – und verän­dert die Art, wie wir zusammenarbeiten. Unser Projekt «hyFiT» zeigt, dass wirk­same hybride Führung aus dem Zusam­menspiel von drei Faktoren entsteht: den richtigen Kompetenzen, dem bewussten Einsatz von Technologie und dem Einbe­zug des jeweiligen Kontexts.

Für Führungskräfte bedeutet das, flexibel zu bleiben und sich kontinuierlich anzu­passen. Man braucht ein offenes Ohr und einen klaren Blick, um die Bedürfnisse ei­nes Teams zu erkennen, sowie die Bereit­schaft, darauf zu reagieren. Mal geht es um den gezielten Einsatz digitaler Tools, mal um die Anpassung von Arbeitsweisen an Teamgrösse, Kultur oder Zeitzonen.

Hybride Führung ist nicht nur eine Her­ausforderung, sondern auch eine grosse Chance. Wer Kompetenzen, Technolo­gien und Kontext bewusst zusammen-denkt, schafft effektive Teams, die Ver­bundenheit erleben und Innovationskraft entfalten – unabhängig davon, wo die Mitglieder gerade sind.

 

TAKE-HOME-CHECKLISTE: HYBRIDE FÜHRUNG WIRKSAM GESTALTEN

Kompetenzen bewusst entwickeln 

– Mindset: Reflektieren, wo die eige­nen Stärken und Potenziale liegen.

– Handlungen: Routinen hinterfragen und Neues ausprobieren.

Technologien gezielt einsetzen

– Klare Regeln für Kanäle und Antwortzeiten im Team vereinbaren.

– Tools bewusst nach Aufgabe wäh­len, nicht nach Gewohnheit.

Kontext berücksichtigen

– Arbeitsweisen an Teamgrösse, Kultur und Zeitzonen ausrichten.

– Hybrid als Chance gestalten – für mehr Zusammenhalt und Verbun­denheit.

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