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26. April 2021

Out of the box: Gelassenheit als Turbo für den Perspektivenwechsel

Zeitdruck in Kombination mit Gewohnheiten sind ein Garant für den Status quo. Bei Problemen im Unternehmen braucht es hier den Mut zur Lücke. Diese Lücke braucht den Mut, sich zur Lösungsfindung überdurchschnittlich viel Zeit zu nehmen. Ohne Gelassenheit ist dies nicht möglich, denn wir müssen lernen das Gefühl der Dringlichkeit loszulassen. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Sie regelmässig Raum schaffen sollten, um den Status quo zu verlassen und out oft the box zu denken.

Effiziente Gewohnheiten überwinden

Als Führungskraft haben Sie die Aufgabe, über den Tellerrand hinauszublicken. Die Herausforderung besteht darin, regelmässig den Perspektivenwechsel zu machen und Unternehmen über den Verantwortungsbereich hinaus zu sehen.

Machen wir alles richtig, führt es zu neuen Ideen und Inspiration. Wobei – das ist nicht neu. Und wenn Sie das schon wissen. Warum gelingt es nicht auf Knopfdruck?

Jeder Mensch eignet sich im Verlaufe des Lebens starke Gewohnheiten an. Wie wir unseren Kaffee trinken, mit Menschen kommunizieren oder Entscheidungen treffen. All dies sind Denkgewohnheiten, die sich als Verhaltensmuster eingeschliffen haben.

Alle unsere Gedanken, seien es Glaubensätze, Erinnerungen oder Meinungen, sind in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. Das Unterbewusstsein ist ein Automatisierungsapparat. Es spult die Gewohnheiten und bekannte Denkgewohnheiten in höchster Präzision ab. Wir schätzen das, denn so bleiben wir auch bei hoher Arbeitsbelastung funktionsfähig.

Genau hier liegt der Hund begraben. Im Automatismus werden wir auf eine Funktion reduziert. Mit anderen Worten: wir befinden uns Inside the box. Damit wird uns die Effizienz des Unterbewusstseins in Problemsituationen zum Verhängnis.

Steigt der innere Druck, schaltet sich der Autopilot besonders stark ein. Vielleicht kennen Sie es aus der eigenen Krise, in der man «nur noch funktioniert hat». Gleichzeitig fährt die Kreativität runter und wir verlieren Weitsicht und Klarheit.

Was braucht es also für den Perspektivenwechsel out of the box?

Das Zeit-Experiment

Hier möchte ich die Resultate einer Studie mit Ihnen teilen. Den Probanden wurde ein weisses Blatt Papier gegeben. Darauf waren vier Punkte und zwei Striche zu sehen. Die Anordnung war folgende:

Die vier Punkte befanden sich im gleichen Abstand zueinander. Stellen Sie sich ein Quadrat vor, das um 90° gekippt ist und reduzieren Sie es auf die vier Eckpunkte. Ein erste Strich ging von der Mitte der vier Punkte gerade nach oben bis kurz vor dem obersten Punkt , der zweite Strich nach rechts kurz vor dem rechten Punkt.

Haben Sie ein inneres Bild von der Anordnung? Wenn nicht – gleich wird es klicken.

Mit Zeitdruck zur gewohnten Lösung

In der ersten Runde wurde den Probanden 10 Sekunden Zeit geben, um diese Zeichnung nach eigenem Massstab zu komplettieren.  Alle Probanden haben einen Kreis rund um die 4 Punkte gemalt.

Das hat dem Gebilde die Form einer Uhr gegeben, wo der eine Strich den Minutenzeiger auf 12 Uhr, der Stundenzeiger auf 3 Uhr zeigt.

Fazit: Mit wenig Zeit sind alle Probanden zum gleichen Ergebnis gekommen. Die Denkgewohnheiten haben sich auf die offensichtlichste Lösung gestürzt.

Mit Freiraum zum Perspektivenwechsel

Dann hat man den Probanden nochmals die gleiche Aufgabe gegeben. Dieses Mal hatten sie zehn Minuten Zeit, eine Zeichnung zu machen. Jetzt gab es Formen wie eine Katze, ein Papierdrachen oder Blumen. Eine Uhr war nicht mit dabei.

Die vier Punkte und zwei Striche wurden nicht mehr auf eine Uhr reduziert. Sie wurden vielmehr als Ausgangslage für alle möglichen Punkte genutzt.

Fazit: Wir brauchen Zeit um Lösungen zu finden und out of the box zu denken.

Was mich bei diesem Experiment beeindruck hat war, wie wichtig der Faktor Zeit ist. Was bedeutet das für den Führungsalltag?

Out-of-the-Box im Führungsalltag

Die Herausforderung im Führungsalltag ist meistens «das Problem» versus die Wirtschaftlichkeit. Sie wollen eine Nachhaltige und gute Lösung anstreben, aber die Zeit fehlt.

Darum plädiere ich den Mut, die Gelassenheit zu stärken.

Damit wir uns richtig verstehen: Gelassen zu sein bedeutet wach, interessiert und aufgeschlossen zu sein. Sie sind also hochgradig aktiv – nur gepaart mit einer inneren Besonnenheit und Ruhe.

Vielleicht haben Sie schon einmal einem Künstler bei der Arbeit zugeschaut. Da herrscht eine gewisse Ruhe – von Hektik keine Spur.

Als Führungskraft in ein Meeting stürmen und von den Mitarbeitern kreative Lösungen auf Knopfdruck fordern – das funktioniert nicht. Es ist sogar kontraproduktiv, weil Sie den Mitarbeitern eine unlösbare Aufgabe geben. Das ist frustrierend und macht Sie als Führungskraft unglaubwürdig.

Sie haben ein wichtiges und dringendes Problem? Sie haben zwei Möglichkeiten:

Sie gehen mit einem Quickfix ins Rennen. Der kann situativ nützlich und richtig sein. Manchmal fordert die Situation eine schlechte Lösung zur richtigen Zeit, weil keine Lösung das grössere Übel ist.

Sie nehmen sich richtig viel Zeit. Taucht das Problem immer wieder auf, hat das Unterbewusstsein das Zepter übernommen. Haben Sie den Mut, nicht sofort eine Lösung zu fordern. Schaffen Sie Raum, damit sich verschiedene Perspektiven auftun können. Das hilft auch Ihnen, in der Offenheit zu bleiben und verschiedene Lösungsansätze zu prüfen.

Fazit

Ein Perspektivenwechsel wird möglich, wenn wir Raum schaffen. Der wichtigste Faktor ist Zeit. Haben wir Zeit und einen Freiraum, wird die Kreativität aktiviert. Kreativität findet ausserhalb des regulären Denkens statt. Nehmen Sie sich die Freiheit, um die Voraussetzungen für ein Out of the Box – Denken herzustellen.

Ich empfehle Ihnen, sich regelmässig Raum zu schaffen, um über ihr Denken und Handeln zu sinnieren. Gerade wenn sich die Welt schnell verändert können wir uns nicht auf alle Denkmuster verlassen. Wir müssen uns regelmässig ein Update geben, bevor wir selber out sind. Sonst gibt es alten Wein in neuen Schläuchen. Und den will niemand.

 

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