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03. November 2021

Burn-out: Wie baut es sich auf?

Burn-out

Die Tücke des Burn-out besteht darin, dass sich der Prozess schleichend einstellt. Wenn Betroffene erste «störende» Anzeichen feststellen, überdecken sie diese oft durch vielfältiges einfallsreiches Kompensationsverhalten. Dieser Mechanismus erschwert es dem Umfeld, in den ersten Wochen und Monaten entsprechende Merkmale überhaupt wahrzunehmen.

Praktische Anzeichen eines Burn-out

  • Das emotionale Erschöpftsein ist eines der ersten Symptome, das die Betroffenen direkt spüren. In der Folge muss die fehlende Lebenskraft mit einer Mehranstrengung kompensiert werden, was die ersten Anzeichen noch verstärkt. Die parallel verlaufende eingeschränkte Leistungsfähigkeit löst Stress und somit Angst aus. Das Hamsterrad fängt an sich zu drehen. Unter Missachtung
  • der eigenen Bedürfnisse beginnt der seelische Raubbau. Der innere Dampfkessel als bildliches Symbol wird permanent soweit in den roten Bereich aufgeheizt, bis die schwächste und sensibelste Stelle eine Ventilrolle übernimmt und der Zusammenbruch eintritt.
  • Die Betroffenen flüchten sich in eine konkrete Situation, mit Vorliebe in die Arbeit und holen sich dort eine entsprechende Legitimation. Sie verspüren ähnlich einem Drogenabhängigen die Achterbahn der Gefühle in all ihren verführerischen und zerstörerischen Facetten. Durch die Fokussierung auf nur eine Sache verlieren sie sich immer mehr in einer inneren Haltlosigkeit.
  • Ihre persönlichen Werte und ihr ethisches Verhalten stimmen nicht mehr mit der Realität überein. Ein Spannungsfeld entsteht. Wenn Sachzwänge oder gesellschaftliche Vorstellungen überwiegen, wächst die Gefahr, den eigenen Handlungsweisen untreu zu werden.
  • Die Betroffenen schätzen ihr eigenes Potenzial falsch ein, sei es gegenüber Ansprüchen, die sie an sich selbst stellen oder gegenüber Forderungen, die an sie herangetragen werden. Somit fühlen sie sich permanent unter Druck. Diese Verhaltensweise tritt oft bei älteren Menschen auf: sie messen sich an den Leistungen früherer Tage und missachten dadurch ihre Grenzen.
  • Gefährdet sind auch Erwerbstätige, die in der Monotonie einer Tätigkeit versinken oder in ihren Herausforderungen kein Ende sehen. Sie laufen Gefahr, aufgrund mangelnder Zielvorgaben innerlich zu resignieren. Denn Motivation und ethisches Verhalten in der Arbeit basieren auf einer gesunden Balance von Qualität und Quantität.
  • Die vom Burn-out Betroffenen schenken ihrem Körper keine Beachtung. Sie behandeln ihn respektlos, verdrängen gesundheitliche Warnsignale und verharmlosen Symptome mit zynischen Bemerkungen. So beginnen sie, sich selbst zu belügen.

Auf einen Blick zusammengefasst:

  • Zunehmender Erschöpfungszustand
  • Flucht jeglicher Art
  • Gewissenskonflikte
  • Persönliche Überforderung
  • Mangelnde Orientierung
  • Verdrängen gesundheitlicher Warnsignale

Die Tragik des Burn-out besteht vielfach darin, dass man irrtümlicherweise glaubt, es treffe immer nur die anderen. Dies mag wohl mit ein Grund sein, dass viele Direktbetroffene im Rückblick kopfschüttelnd erkennen, dass es im psychisch körperlichen Bereich eigentlich viele Warnsignale und Symptome gegeben hätte, um einen Richtungswechsel herbeizuführen.

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